Archiv für Mai 2011

Eröffnung umstrittener Kirche in Köln-Kalk

Am Samstag, den 28. Mai, wird die umstrittene Piusbruderschaft in Köln-Kalk eine Kirche eröffnen. Die Bruderschaft sorgte weltweit für Aufsehen als die Exkommunikation vom Holocaustleugner Richard Williamson, einem ihrer vier Bischöfe, durch Papst Benedikt XVI aufgehoben wurde.

Auch David Berger kam im Zuge seiner Tätigkeiten in ultrakonservativen Kirchenkreisen immer wieder in Berührung mit Piusbrüdern. Für das Bündnis 17. Mai hat er auf Nachfrage seine Sicht auf die Eröffnung und die Piusbrüder im Allgemeinem geschildert.

Für mich als Kölner, der mehr als 10 Jahre seines Lebens in Kalk gelebt hat, ist die Eröffnung der Piusbruderschaftsfiliale in Kalk eine Angelegenheit, die den Widerstand der Bewohner dieses Vedels auf den Plan rufen sollte.

Kalk ist dafür bekannt, dass dort viele Nationalitäten, Kulturen und Religionen auf engstem Raum und häufig unter schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen zusammenleben – und dennoch habe ich Kalk so erlebt, dass man es über die vielen Jahre vermocht hat, immer wieder mit gegenseitiger praktischer Hilfe, Toleranz, manchmal auch mit pragmatischem Dulden der anderen, aber doch fast immer friedlich zusammen zu leben.

Dass sich jetzt dort eine Organisation niederlässt, die sich durch alle möglichen Formen der Intoleranz und Diskriminierung, durch einen verbitterten Kampf gegen das Recht auf Religionsfreiheit, Frauen- und Islamfeindlichkeit, durch ihre Nähe zu rechten und antisemitischen Kräften einen Namen gemacht hat, ist ein fatales Signal.

Die Einweihung dieser Kirche in einer Gegend, die auch stark von islamischen Bürgern bewohnt wird, wird Franz Schmidberger vornehmen, der sich vor nicht allzu langer Zeit zur Aussage hinreißen ließ, Mohammed als „Kinderschänder“ zu bezeichnen. Solche dümmlichen Aussagen und solche abstrusen Positionen stellen eine große Gefahr für das friedliche Zusammenleben in Kalk dar. Die Eröffnung dieses Piusbruderschaftszentrums ist daher ein Skandal, an dem man nicht stillschweigend und passiv vorübergehen sollte!

Dass man nicht stillschweigend und passiv bei der Eröffnung sein solle denkt sich auch das Bündnis „Für ein Leben vor dem Tod!“ aus Köln und läd für den Tag der Öffnung zu einer Demonstration ein. Treffpunkt hierfür ist am Samstag um 9 Uhr an der Haltestelle Kalk Kapelle. Von dort aus soll der Demonstrationszug vermutlich in Richtung der Kirche führen.
>>> Aufruf zur Demonstration
>>> Veranstaltung am 27. Mai: „Die kirchliche Rechte – Christlicher Fundamentalismus in Deutschland“

…the struggle goes on!

Einen relativ vollständigen Pressespiegel inklusive diverser Radiomitschnitte findet ihr inzwischen hier: Pressespiegel zur Demonstration.

Auch nach der Demonstration sind Fundamentalismus und Homophobie nicht verschwunden. In Kürze gibt es verschiedene Veranstaltungen zu diesen beiden Themenkomplexen auf die wir euch an dieser Stelle aufmerksam machen möchten. Schaut in unseren Veranstaltungskalender und kommt vorbei!

Vielen Dank für Euer Kommen!

Im Namen des Bündnis 17. Mai möchten wir uns ganz herzlich bei allen Demonstrationsteilnehmer*innen und den Redner*innen bedanken!

Immerhin behauptet die Kirche nun David Berger sei nicht wegen seiner Homosexualität aus seinem Beruf gedrängt worden. Dass weder wir noch ihr das glauben haben wir ja heute schon entschlossen gezeigt! Die Kirche merkt offenbar garnicht, wie lächerlich und falsch sie – auch jetzt noch – argumentiert!


(Bild: seismograph.blogsport.de)

Laut Polizei waren wir übrigens bis zu 500 Leute!

Bald gibt es auch von unserer Seite aus noch einen ausführlichen Bericht und viele Bilder.
Ein paar Presseberichte schonmal vorab (die sind ganz bestimmt nicht vollzählig):

Zu guter letzt noch ein Veranstaltungshinweis:

David Berger: „Der heilige Schein – Als schwuler Theologe in der katholischen Kirche“ – Lesung des Autors mit anschließender Diskussion

Mo., 23.05., 19.30h Hörsaal G (Hörsaalgebäude der Universität zu Köln)

Organisation: LUSK (Autonomes Lesben- & Schwulenreferat der Universität zu Köln)

Redner*innen

Wir freuen uns folgende Redner*innen bekannt geben zu können.

  • Univ.-Prof.Dr.theol. Utan Ranke-Heinemann (Kirchenkritikerin und Theologin)
  • Dominik Porschen (ehemaliger Schüler Bergers und Moderator)
  • Klaus Krauss (Lebenspartner von David Berger)
  • ein Lehrer des Nachbargymnasiums
  • eine Person der Arbeitgruppe „schöner leben“

letzte Hinweise an die Presse:
Die Demonstration wird inzwischen auch von Politiker*innen und namenhaften Personen des öffentlichen Lebens unterstützt. Eine Liste finden Sie hier: bitte scrollen…
Fragen beantworten Ihnen Sprecher*innen des Bündnis 17. Mai gerne um 16 Uhr am Lautsprecherwagen.

Werbeaktionen an Schulzentren

Gut 1.000 Flyer zur Demonstration haben Schüler*innen des Bündnis 17. Mai am Donnerstagmorgen an den Schulzentren in Liblar und Lechenich verteilt.
„Die Reaktionen waren überwältigend“, sagt Anna Schmitz (Bündnissprecherin) „In den Klassen gab es daraufhin lebhafte Diskussionen und viele Schüler*innen sicherten ihr Kommen zu“. Für Kardinal Meisner dagegen gab es nur verschwindend geringes Verständnis. Das Groß der Schüler*innenschaft steht klar hinter dem ehemaligem Religionslehrer. „Wir sind so beeindruckt von dem Interesse, dass wir gleich weitere 1.000 Flyer kopiert haben, um dem Bedarf gerecht werden zu können“, kommentiert Max Heinemann, ebenfalls Mitglied im Bündnis 17. Mai, die Werbeaktion. Gegenüber der ZEIT nannte der Schüler Niklas Kohlgraf bereits Gründe für die breite Solidarität: „ […] Herr Berger [ist] menschlich einfach super. Er ist mehr der Kumpeltyp und nicht umsonst Vertrauenslehrer an unserer Schule.“.